Am 16. November 1944 wurde Düren von Bombern ausradiert

Die Erde bebte, das Haus stürzte ein
 

Düren (an-o). "Die Erde bebte. Das Haus wurde geschüttelt und stürzte ein." Peter Viehöver erinnert sich an die Bombardierung Dürens. 15 Schüler der Hauptschule Gürzenich und Lehrerin Ellen Damaske lauschen ihm gebannt.

"Geschichte aus erster Hand" nennt sich das Projekt, in dem Schüler Zeitzeugen zum Nazi-Regime befragen können.

Wenig Konkretes

Peter Viehöver ist 72 Jahre alt. Der gelernte Papiermacher, ehemaliger Gewerkschaftssekretär und Ex-Vize-Bürgermeister hat sich intensiv mit der Geschichte seiner Heimatstadt auseinander gesetzt - auch mit der Nazi-Zeit, die quasi im Bombenhagel der Alliierten ihr Ende fand. "Es ist traurig, dass so wenige Ältere bereit sind, konkret dazu etwas zu sagen," bedauert Viehöfer.

Seine erste vage Erinnerung an den Nationalsozialismus sei die Volksabstimmung 1934: "Man konnte nur für oder gegen Hitler stimmen." Gewählt habe seine Familie damals in der Peschschule. Der Vater Viehövers war "kein Nazi, aber ein Mitläufer". Der Großvater war eindeutig gegen das Regime. Viehöver selbst war "ein kleiner, stolzer Hitlerjunge". Wie fast alle Jungen aus seiner Klasse ist er ins Jungvolk eingetreten. Nur zwei Jungen waren nicht dabei - der Vater des einen sei Kommunist gewesen und später ins KZ gekommen, der Vater des andern sei ein streng gläubiger Katholik gewesen.

"Der Lehrer hat gesagt, das ist gut so."

Die Josef-Schregel-Straße hieß damals Adolf-Hitler-Straße. In einem jüdischen Bekleidungshaus wurden die Scheiben eingeschmissen. "Ich habe alles hingenommen", so Peter Viehöver, "der Lehrer hat gesagt, das ist gut so."

Erstes Erschrecken dann über den Brand der Synagoge. In der Nähe des Kaufhof-Parkplatzes habe die Synagoge gestanden, dahinter die Talmud-Schule, erzählt Viehöver. Er habe die Synagoge brennen sehen. Die Feuerwehr habe nicht versucht zu löschen, sondern den Wasserstrahl auf die benachbarten Häuser gerichtet.

"Kontrolliertes Abbrennen"

"Man hat also praktisch die Synagoge kontrolliert abbrennen lassen", stellt ein Schüler entsetzt fest. Als Junge habe er gedacht "Wir sind unbesiegbar". Dann kamen die Nächte im Luftschutzkeller, schließlich die Bombardierung Dürens.

Das Haus stürzte ein. Zwischen den Häusern waren damals in den Kellern Türen gebrochen. Zum Glück. So konnten er und seine Mutter den Trümmern entkommen. "Vier Uhr nachmittags - und die Stadt war dunkel wie die Nacht."

Ursula Weyermann

Die Stadt wurde am 16. November 1944 gegen 15.20 Uhr zu 97% zerstört. Die Bomber warfen ca. 4.600 Sprengbomben und ca. 50.000 Brandbomben auf die Stadt. Nur 13 von insgesamt 9.230 Gebäude in der Stadt blieben unbeschädigt. Heute wird die Zahl der Toten mit ungefähr 3.120 angegeben.

In früheren Jahren sprach man von etwa 7.000 Toten, ich habe aber auch schon die Zahl von 20.000 gehört. Die genaue Anzahl der Opfer wird sich wohl nie feststellen lassen.

 

Zerstörung Düren´s am 16. Nov. 1944