Carl Georg Schillings - Vorkämpfer für Tier- und Naturschutz

Die kommerzielle Ausbeutung der afrikanischen Natur begann mit der Ankunft der Araber und Europäer an der ostafrikanischen Küste. Vorher hatte die Anwesenheit des Menschen nur wenig negativen Einfluss auf die Tierwelt. Die eingeborenen Stämme jagten nur für den Eigenbedarf und gingen wenig verschwenderisch mit den Naturschätzen um. Deutschland übernahm 1885 das Protektorat über das damalige Tanganjika und die Insel Sansibar.

Der Zustand der Natur änderte sich mit der Ankunft ausländischer, besonders südafrikanischer Jäger, die nicht nur zur Nahrungsversorgung die Wildtiere dezimierten. Sie töteten nur zum Vergnügen und zur Erlangung des Elfenbeines und anderer “Wirtschaftsgüter”. Aufzeichnungen deutscher Kolonialbeamter lassen vermuten, dass allein in der Zeit von 1903 bis 1911 jährlich etwa 1500 Elefanten geschossen wurden. Dazu kamen jährlich etwa 2500 Nashörner. Nicht zu vergessen all die Antilopen und Raubkatzen, die aus lauter Vergnügungssucht geschossen wurden. Auch wurden viele Tiere für die Zoos in Europa und in Amerika gefangen.

Das deutsche Kaiserreich verdiente hieran kräftig mit. So wurde z. B. eine 15%ige Steuer auf die Ausfuhr von Stoßzähnen erhoben. Unter den ausgeführten Waren befanden sich tausende von Tonnen Vogelfedern, die sich bei der Damenwelt zum Schmuck ihrer Hüte größter Beliebtheit erfreuten.

Doch bereits sechs Jahre nach der Übernahme des Protektorates durch das deutsche Kaiserreich erliess der damalige kaiserliche Gouverner Herrmann von Wissmann eine Verordnung zum Schutz von Flora und Fauna im sogenannten Deutsch-Ostafrika. Diese Verordnungen wurden über die nächsten Jahre stetig erweitert. Viele der eingewanderten Pflanzer und Plantagenbesitzer glaubten jedoch, ich über die Verordnungen hinwegsetzen zu können. Die Kolonialverwaltung griff rigoros durch verurteilte nicht wenige zu Geld- und Gefängnisstrafen. Unter den so bestraften befand sich auch Hans Schomburgk*, ein damals bekannter Abenteurer, Schriftsteller und professioneller Jäger. Über etwa vier Jahre versuchte die Justiz seiner habhaft zu werden. Er wurde schliesslich zur Zahlung einer Geldbusse in Höhe von 1779 Reichsmark wegen eines geringen Vergehens verurteilt.

Die Vergabe von Jagdlizenzen wurde relativ restriktiv gehalten. So war die Art und Anzahl der Tiere die gejagt werden durfte limitiert. Trotzdem unterschied man zwischen nützlichen und schädlichen Tieren. Zu den schädlichen gehörten die Raubkatzen, Wildhunde und Krokodile. Die Pflanzer und Plantagenbesitzer durften zum Schutz von Leib und Leben und der Verteidigung ihres Eigentums “schädliche” Tiere erlegen. Die so erbeuteten Trophäen mussten der Regierung überlassen werden.

Doch selbst in jenen Tagen konnte sich nicht jeder mit dieser Art von Tierschutz einverstanden erklären. Zu ihnen gehörte Carl-Georg Schillings. Schillings unternahm insgesamt drei wissenschaftliche Safaris nach Tanganjika. Er beschrieb wissenschaftlich exakt damals in Mitteleuropa unbekannte Tierarten. Er erkannte als einer der ersten die ökologischen Zusammenhänge zwischen Jägern und gejagten im Tierreich. Ein weithin bekannter Ausspruch von ihm lautet: “Dort wo es viele Raubtiere gibt, gibt es auch viel (jagdbares) Wild. Es ist alleine die sogenannte Zivilisation, die das Leben zerstört.” Er schloss daraus, dass die konsequente Trennung in “nützliche” und “schädliche” Tiere aufgehoben und die gesamte Flora und Fauna geschützt werden muss. Interessant hieran ist, dass Schillings selbst ein leidenschaftlicher Jäger war.

Schillings schrieb mehrere Entwürfe für ein Naturschutzgesetz. Doch konnten diese wegen des Ausbruchs des ersten Weltkrieges nicht mehr umgesetzt werden. Er betrachtete die reiche Flora und Fauna Afrikas nicht nur als ein natürliches Erbe welches für kommende Generationen erhalten werden muss. Er war überzeugt von der These, dass trotz der Ausbeutung der Kolonien eine nachhaltige Behandlung der natürlichen Resourcen möglich sein muss. Er war überzeugt davon, dass für die Tier- und Pflanzenwelt umfangreiche Schutzzonen eingerichtet werden müssen.

Doch all dies erforderte Geld, viel Geld. Er hatte die Vorstellung, dieses Geld dadurch aufzutreiben, dass Jagdlizenzen gegen Gebühr erteilt werden sollen. Dadurch sollten jährlich bis zu 200.00,00 Goldmark beschafft werden. Zusätzlich würde etwa noch das Fünffache dessen für den Unterhalt der Camps und für Verpflegung durch die Lizenznehmer ausgegeben werden. Dies war ein zu damaliger Zeit revolutionärer Gedanke. Er war davon überzeugt, dass diejenigen die von dieser Art Tourismus lebten, Ihre Umwelt schützen würden.

Diese Art des Naturschutzes wurde erst wieder in der heutigen Zeit populär. Doch Schillings hatte weitergehende Pläne. Er wollte internationale Gesetze zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt Afrikas etablieren. Daher nahm er im Jahre 1900 an einer internationalen Konferenz in London zum “Schutz der Tier- und Pflanzenwelt in Afrika” teil. Später schrieb er, es wurde viel geredet aber nichts erreicht. Schillings regte eine Konvention zur Kontrolle des internationalen Handels mit wildlebenden Tieren an. Doch erst etwa 70 Jahre später entstand hieraus die CITES, das sogenannte Washingtoner Artenschutzabkommen.

Bereits 1911 (Schomburgk sprach von 1908) hatte das Gouvernement 15 Schutzzonen mit insgesamt etwa 30.000 qkm ausgewiesen. Dies entsprach etwa 5% der Gesamtfläche. Die ersten Schutzzonen wurden schon 1896 errichtet.


*Hans Schomburgk, deutscher Forschungsreisender, * 28. 10. 1880 Hamburg, † 27. 7. 1967 Berlin; bereiste Teile Afrikas, entdeckte einige bis dahin unbekannte Tiere, drehte Tierfilme, schrieb populäre Reiseberichte.

 

C.G. Schillings - Der Naturschützer