Herrscher über tausend Tiere
Einer der berühmtesten Zoodirektoren Deutschlands stammt aus Darmstadt: Ludwig Heck

(sbf). Als wohl berühmtesten Zoodirektor Deutschlands neben Bernhard Grzimek lobte Ernst Ulrich Vorbach den Ehrendoktor Ludwig Heck. Grund genug für die Hessische familiengeschichtliche Vereinigung, den Darmstädter in einem Vortrag zu würdigen. Ernst Ulrich Vorbach und sein Vater Dr. Otto Vorbach referierten im Staatsarchiv über das Leben des erfolgreichen Mannes, der als Leiter des Berliner Tiergartens später sogar auf einer Briefmarke der Deutschen Bundespost abgebildet wurde.

Zoodirektor zu sein, so erzählten die Referenten in ihrem brillanten Vortrag, war zu Zeiten von Kaiser Wilhelm nicht einfach irgendein Beruf, sondern brachte ein enormes Prestige mit sich. Die Tiergärten waren Treffpunkte der Gesellschaft. Man traf sich in den prunkvollen Hallen des Zoos zum Kaffee oder bewunderte die Ausstellungen. Denn in den Tiergärten wurden nicht nur exotische Tiere ausgestellt. Auch technische Wunderwerke wie fahrende Ballons oder Bildhauerarbeiten berühmter Künstler konnten in den Parkanlagen bestaunt werden.

Dr. Ludwig Heck wurde 1860 in Darmstadt geboren, das damals nur 30 000 Einwohner zählte. Bereits mit 26 Jahren wurde er nach dem Studium der Zoologie Direktor des Kölner Zoos. Als er von Verwandten erfuhr, dass die Leitung des Berliner Zoos neu besetzt werden sollte, setzte er sich sofort in den Zug, fuhr nach Berlin – und bekam die Stelle.

Dr. Otto Vorbach stellte Heck in seinem Vortrag immer wieder als einen Mann von Tatkraft dar, der sich den Ausspruch Cäsars „Veni, vidi, vici“ zu Eigen gemacht hatte. Heck erweiterte den Tiergarten nicht nur um das berühmte Elefantenportal in der Budapester Straße, sondern holte auch viele neue Tierarten nach Berlin.

Während seiner Kinderjahre in Darmstadt ließ er keinen Lausbubenstreich aus, befreite zum Beispiel Schweine aus ihrer Gefangenschaft, die dann große Verwüstung anrichteten. Als im Zuge des deutsch-französischen Krieges die Preußen nach Darmstadt kamen, wurde er ein großer Bewunderer ihrer Disziplin und Strenge. Voller Begeisterung berichtet er in seiner Autobiografie „Heiter-ernste Lebensbeichte“ von den Schießübungen und dem Stechschritt der preußischen Armee.

Etwas zu kurz in dem Vortrag kam die Verstrickung Hecks ins Dritte Reich. Die Referenten entschuldigten sich damit, dass von 1933 an wenig überliefert sei. Als Forscher der zoologischen Rassenkunde war Heck auch beteiligt an der Rassenlehre und dem Sozialdarwinismus unter Hitler. Mehr wurde dazu im Vortrag nicht gesagt.

Ludwig Heck begründete eine Familiendynastie: Auch seine Söhne Lutz und Heinz wurden Zoodirektoren, einer im Tiergarten Hellabrunn in München, der andere trat nach 44 Jahren des Vaters Nachfolge in Berlin an. Zwei Töchter verheiratete der strebsame Mann mit Söhnen aus der Siemens-Familie.

Der Vortrag wurde begleitet von Dias, die den Zoodirektor beim Küsschen mit einer Antilope oder bei der Umarmung mit einem jungen Gorilla zeigen, es folgten Bilder aus dem historischen Darmstadt und von Bauwerken, die Heck im Berliner Zoo errichten ließ. Auch zu sehen war ein historisches Plakat, das für eine Ausstellung indischer Eingeborener im Tierpark warb. Menschen anderer Völker in Zoos auszustellen, war vor dem Zweiten Weltkrieg üblich - ein Brauch, der heute grotesk und schockierend wirkt.

Als 1945 das Dritte Reich zusammenbrach, war Ludwig Heck ein alter Mann und wollte den Neuerungen der Zeit nicht mehr folgen. Er zog in die Siemens-Villa in Baden-Baden und starb sechs Jahre später.


Darmstädter Echo 21.1.2002

 

Dr. Ludwig Heck