Der Dom zu Aachen

Über 1100 Jahre ist es her, dass Karl der Große Aachen zum Mittelpunkt seines Reiches wählte. Auf den Ruinen einer römischen Therme ließ er hier seine Pfalzkapelle errichten. Dieser achtseitige Zentralbau mit seinem sechzehnseitigen Umgang bildet den Kern des heutigen Doms.

Karl verdeutlichte mit der Kirche seinen Machtanspruch, Erbe des Römischen Reiches zu sein. Nach seinem Tod verlangte bald der Strom der Pilger nach mehr Raum. So wurde eine Kapelle nach der anderen dazu gefügt. Im Osten steht dem Oktogon ein Chor vor, welchen gotische Baumeister im 15. Jahrhundert als Raum für den Karlsschrein konstruierten.

Dieser Film offenbart uns nicht nur die Geschichte des Domes, sondern auch seine spirituelle Dimension, unter die Karl der Große ihn stellte.

 

Kulturdenkmal: Aachener Dom mit karolingischer Pfalzkapelle

Unesco-Ernennung: 1978

8. Jh.
Bau der Pfalzkapelle unter Karl dem Großen

813-1531
Krönung von 32 Kaisern des Heiligen Römischen Reiches

nach 935
"Karlsthron"

seit 1215
ruhen die Gebeine von Karl dem Großen im vergoldeten Karlsschrein

1350
Anbau eines Turms an die Pfalzkapelle

1355-1414
Anbau des Chores

1664
barocker Kuppelaufsatz auf der Pfalzkapelle

1719
weitere Barockisierung

nach 1879
Umgestaltung im Sinne des Historismus

im 2. Weltkrieg
Kriegsschäden

bis 1966
umfassende Restaurierung

bis 2000
Beseitigung statischer Probleme wie das Abdriften des Chores

 

Weil er den christlichen Glauben über alles schätzte, ließ Karl der Große in Aachen eine herrliche Basilika bauen. So der Mönch Einhard, Karls Biograph. Diese herrliche Basilika war die Pfalzkapelle, ein achtseitiger Zentralbau - die architektonische Mitte des Aachener Doms.

Am Fuß des Westturms erhebt sich das Hauptportal. Ein mächtiges karolingisches Bronzetor, dessen über zwei Tonnen schwere Flügel aus einem Stück gegossen sind. In seiner klaren ruhigen Form erinnert das Portal an römisch-antike Vorbilder.

Die Vorhalle: Hier begann im Mittelalter mit der Thronsetzung die Krönungszeremonie für die deutschen Könige. Wie bei ihrem Auszug - so wird vermutet - schworen sie dann beim Pinienzapfen und bei der Bärin für das Wohl und den Schutz des Volkes zu sorgen.

Mit der Pfalzkapelle schuf Karl der Große vor über tausend Jahren das religiöse Zentrum seines Frankenreiches. Maria geweiht, ist die Kapelle ein Abbild des Himmlischen Jerusalem und bürgt für die Anwesenheit Gottes auf Erden. Und damit für den Bestand des Reiches. Am Beginn der Geschichte des Aachener Doms stehen Heilquellen. Dem keltischen Gott Grannus geweiht, umbauten die Römer sie mit Thermen für ihre Grenzlegionäre und nannten den Ort: Aquae Granni: die Quellen des Grannus. Pippin, Karls Vater, schätzte die Thermen. Auf den Fundamenten eines römischen Tempels baute er eine christliche Kapelle. Karl verbrachte hier oft und gerne seinen Winteraufenthalt. Sicher ein Grund mit, an diesem Ort seine Königspfalz zu errichten. Über der Kirche seines Vaters ließ er damals die Pfalzkapelle erbauen. Aus einem sechzehnseitigen, doppelstöckigen Umgang erwächst turmartig der achtseitige, sparsam gegliederte Zentralbau. Ein Kranz von Kapellen hat sich im Lauf der Jahrhunderte so dicht um die Pfalzkapelle gelegt, dass sie dahinter fast verschwindet. Ihr schlichtes Mauerwerk, ihre verwitterten karolingischen Kapitelle und das Faltdach ihrer Kuppel: sie alle lassen nur etwas ahnen von der Schönheit, die sie umschließen, und warum der Aachener Dom bis heute die Menschen anzieht. 31 Meter über dem Erdboden entfaltet das Klostergewölbe seinen Glanz. Achtseitig wie der Grundriss erinnert es daran, dass Jesus am Tag nach dem Sabbat, dem acht. Schöpfungstag, auferstand. Daher war die acht für die mittelalterliche Theologie die Zahl der Vollendung.

Das gläubige Volk auf Erden war - angeführt von seinem König - unterwegs zu dieser Vollendung, begleitet von den Priestern, die durch Gebet und Gottesdienst dafür zu sorgen hatten, dass das gemeinsame Ziel erreicht wird. Zum Wohle des Reiches.
Aus der Kuppel herab senkt sich der große, von Kaiser Barbarossa gestiftete Radleuchter, ein Abbild der neuen Stadt Jerusalem, die vom Himmel herabkommt. Acht große und acht kleine Türme zieren ihn, wie es der Maßzahl der Kirche entspricht. Mit Gittern und Türen aus massiver Bronze schmückte Karl seine Pfalzkapelle, berichtet sein Biograph Einhard weiter. Die Bronzegitter sind heute noch zu bewundern. Als Brüstung umlaufen sie den Emporengang. Die hohen Bogenöffnungen der Empore ziehen den Blick nach oben. Ihre Säulen bestechen durch ihr ruhevolles Maß. Karl ließ sie aus Rom und Ravenna kommen. Sie dokumentieren seinen Machtanspruch, Nachfolger der römischen Kaiser zu sein. Im Westjoch der Empore steht der Königsthron. Ob er da schon immer stand, ist umstritten. Ebenso, ob er Karls Herrschersitz war. Sicher ist, dass er den Thron Salomons symbolisiert, denn auch zu ihm führen sechs Stufen hinauf. Im Kreise seiner gelehrten Freunde nannte sich Karl König David. Er sah sich in einer Reihe mit den Königen des Alten Testaments. Ähnlich empfanden die nachfolgenden deutschen Könige. 30 von ihnen wurden hier inthronisiert. Wer auf dem Thron saß, konnte alle sehen und von allen gesehen werden, hält ein Chronist von damals fest. Das war wichtig, denn der König vertrat den im Himmel thronenden Christus auf Erden. Von ihm hatte er seinen Auftrag, zu herrschen.

Der achtseitige Grundriss zeigt, dass Karl mit seiner Kirche etwas Neues schaffen wollte.Die Acht symbolisiert die neue Schöpfung, die mit Christus begonnen hatte. Im Zentrum des Oktogons, in der Mitte dieser neuen Schöpfung, stand jahrhundertelang Karls Schrein, ein Meisterwerk staufischer Goldschmiedekunst. Friedrich II. ließ Karls Gebeine Anfang 1200 in diesem Schrein beisetzen. An seinen beiden Seiten thronen statt der Apostel je acht Könige und Kaiser. Dadurch bekräftigen sie, dass ihre Macht gottgegeben, heilig ist. Die Stirnseite des Schreins zeigt Karl genau unter Gott, der sich in der Gestalt des Weltenherrschers Christus offenbart. Segnend bestätigt er Karl als seinen Stellvertreter auf Erden. Beide bilden die Weltachse. Das berühmte Lotharkreuz aus dem Aachener Domschatz bezeugt eine noch kühnere Idee: Der König ist der neue Augustus und als solcher verkörpert er Christus.

Karl starb 814, im 72. Lebensjahr, wie sein Biograph Einhard berichtet.

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